Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Markusevangelium 15
38 Da zerriss der Vorhang des Tempels von oben bis unten entzwei. 39 Als der Hauptmann, der ihm gegenüberstand, ihn so sterben sah, sagte er: Dieser Mensch war in Wahrheit Gottes Sohn! 40 Es sahen aber auch Frauen von ferne zu, unter ihnen auch Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des jüngeren Jakobus und Joses, und Salome. 41 Sie waren ihm schon in Galiläa nachgefolgt und hatten ihm gedient, und viele andere, die mit ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren.
Wiederum deutete Gott durch das Zerreißen des Vorhangs an, dass die Gnade des Heiligen Geistes vom Tempel weicht und zerrissen wird, so dass das Allerheiligste von allen gesehen werden konnte; auch dass der Tempel unter den Juden trauern wird, wenn sie ihre Unglücke beklagen und ihre Kleider zerreißen. Dies ist auch ein Bild des lebendigen Tempels, das heißt des Leibes Christi, in dessen Leiden Sein Gewand zerrissen wird, das heißt Sein Fleisch. Wiederum bedeutet es etwas anderes; denn das Fleisch ist der Vorhang unseres Tempels, das heißt unseres Geistes. Aber die Kraft des Fleisches wird im Leiden Christi zerrissen, von oben bis unten, das heißt von Adam bis zum letzten Menschen; denn auch Adam wurde durch das Leiden Christi geheilt, und sein Fleisch bleibt nicht unter dem Fluch, noch verdient es Verderbnis, sondern wir alle sind mit Unvergänglichkeit beschenkt. Und als der Hauptmann, der ihm gegenüberstand, sah. Wer hundert Soldaten befehligt, wird Hauptmann genannt. Aber als er sah, dass Er mit solcher Macht starb wie der Herr, wunderte er sich und bekannte.