
Hilarius von Poitiers
Catena Aurea · Markusevangelium 13
32 Jenen Tag aber oder die Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern nur der Vater. 33 Gebt Acht, seid wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Augenblick da ist. 34 Es ist wie bei einem Mann, der außer Landes reiste, sein Haus verließ und seinen Knechten Vollmacht gab, jedem seine Arbeit, und dem Türhüter befahl, wachsam zu sein. 35 Wacht also! Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt, ob am Abend oder um Mitternacht oder beim Hahnenschrei oder frühmorgens. 36 Er soll euch, wenn er unvermutet kommt, nicht schlafend antreffen. 37 Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Seid wachsam!
(de Trin. ix) Diese Unkenntnis des Tages und der Stunde wird gegen den eingeborenen Gott vorgebracht, als ob der von Gott geborene Gott nicht dieselbe Vollkommenheit der Natur wie Gott hätte. Doch zuerst soll der gesunde Menschenverstand entscheiden, ob es glaubwürdig ist, dass der, der die Ursache ist, dass alles ist und sein wird, von irgendetwas von all dem nichts wissen sollte. Denn wie kann es jenseits der Erkenntnis jener Natur liegen, durch die und in der das, was geschehen soll, enthalten ist? Und kann er jenen Tag nicht kennen, der der Tag seines eigenen Kommens ist? Menschliche Wesen wissen im Voraus, soweit sie können, was sie zu tun beabsichtigen, und die Erkenntnis dessen, was zu tun ist, folgt auf den Willen zu handeln. Wie kann man also vom Herrn der Herrlichkeit, aus Unkenntnis des Tages seines Kommens, glauben, dass er von jener unvollkommenen Natur sei, die eine Notwendigkeit des Kommens in sich trägt und nicht zur Erkenntnis ihres eigenen Kommens gelangt ist? Doch wiederum, wie viel mehr Raum für Blasphemie wird es geben, wenn dem Vater ein Gefühl des Neides zugeschrieben wird, dass er dem die Kenntnis seiner Seligkeit vorenthalten hat, dem er die Vorherkenntnis seines Todes gegeben hat. Wenn aber in ihm alle Schätze der Erkenntnis sind, ist er nicht unwissend über diesen Tag; vielmehr müssen wir uns daran erinnern, dass die Schätze der Weisheit in ihm verborgen sind; seine Unkenntnis muss daher mit der Verbergung der Schätze der Weisheit, die in ihm sind, verbunden sein. (Kol 2,3) Denn in allen Fällen, in denen Gott sich als unwissend erklärt, steht er nicht unter der Macht der Unwissenheit, sondern es ist entweder nicht die rechte Zeit zum Sprechen, oder es ist eine Ökonomie des Nichthandelns. Wenn aber Gott damals gesagt wird, er habe gewusst, dass Abraham ihn liebte, als er seine Kenntnis nicht vor Abraham verbarg, so folgt daraus, dass der Vater den Tag zu kennen gesagt wird, weil er ihn nicht vor dem Sohn verbarg. (Gen 22,12) Wenn also der Sohn den Tag nicht kannte, so ist es ein Sakrament seines Schweigens, wie umgekehrt allein der Vater zu wissen gesagt wird, weil er nicht schweigt. Doch Gott bewahre, dass dem Vater oder dem Sohn irgendwelche neuen und leiblichen Veränderungen zugeschrieben werden. Schließlich, damit er nicht aus Schwäche unwissend genannt werde, hat er sogleich hinzugefügt: „Seht euch vor, wacht und betet, denn ihr wisst nicht, wann die Zeit ist.“