Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Markusevangelium 12
18 Es kamen Sadduzäer zu ihm, die behaupten, es gebe keine Auferstehung, und fragten ihn: 19 Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn der Bruder eines Mannes stirbt und er hinterlässt eine Frau, aber kein Kind, dann soll sein Bruder die Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen. 20 Da waren sieben Brüder. Der Erste nahm eine Frau, aber als er starb, hinterließ er kein Kind. 21 Da nahm sie der Zweite und starb, ohne Kinder zu hinterlassen, und der Dritte ebenso. 22 Und alle sieben hinterließen keine Nachkommen. Zuletzt von allen starb auch die Frau. 23 Bei der Auferstehung -- falls sie auferstehen --, welchem von ihnen wird sie als Frau angehören? Denn sieben haben sie ja zur Frau gehabt. 24 Jesus sagte zu ihnen: Irrt ihr nicht deshalb, weil ihr weder die Schriften kennt noch die Macht Gottes? 25 Denn wenn sie von den Toten auferstehen, heiraten sie nicht, noch lassen sie sich heiraten, sondern sind wie die Engel im Himmel. 26 Was aber die Toten angeht, dass sie auferweckt werden, habt ihr nicht im Buch Mose, in der Geschichte vom Dornbusch, gelesen, wie Gott zu ihm sprach: Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? 27 Er ist nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebenden. Ihr seid sehr im Irrtum.
Als hätte er gesagt: Ihr versteht nicht, welche Art von Auferstehung die Schriften ankündigen; denn ihr glaubt, dass es eine Wiederherstellung unserer Leiber geben wird, so wie sie jetzt sind, aber es wird nicht so sein. So kennt ihr also die Schriften nicht; auch kennt ihr nicht die Kraft Gottes; denn ihr haltet es für eine schwierige Sache und sagt: Wie können die Glieder, die zerstreut wurden, wieder vereint und mit der Seele verbunden werden? Aber das ist im Hinblick auf die göttliche Macht wie nichts. Es folgt: Denn wenn sie von den Toten auferstehen, werden sie nicht heiraten noch geheiratet werden, sondern sie sind wie die Engel im Himmel; als hätte er gesagt: Es wird eine gewisse himmlische und engelhafte Wiederherstellung zum Leben geben, wenn es keine Verwesung mehr geben wird und wir unverändert bleiben; und aus diesem Grund wird die Ehe aufhören. Denn die Ehe besteht jetzt wegen unserer Verwesung, damit wir durch die Nachfolge unseres Geschlechts fortgetragen werden und nicht vergehen; aber dann werden wir wie die Engel sein, die keine Nachfolge durch Ehe brauchen und niemals ein Ende nehmen.