Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Markusevangelium 12
1 Er begann zu ihnen in Gleichnissen zu reden: Ein Mann pflanzte einen Weinberg, machte einen Zaun darum, grub eine Kelter und baute einen Turm. Dann verpachtete er ihn an Winzer und ging in die Fremde. 2 Zur gegebenen Zeit sandte er einen Knecht zu den Winzern, um bei den Winzern von den Früchten des Weinbergs in Empfang zu nehmen. 3 Die aber ergriffen ihn, schlugen ihn und schickten ihn leer fort. 4 Darauf sandte er einen anderen Knecht zu ihnen. Sie schlugen ihm auf den Kopf und beschimpften ihn. 5 Da sandte er einen dritten und den töteten sie; und noch viele andere, die einen schlugen sie, die anderen töteten sie. 6 Einen aber hatte er noch, seinen geliebten Sohn. Ihn sandte er als letzten zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. 7 Jene Winzer aber sagten zueinander: Das ist der Erbe; kommt, wir wollen ihn töten, und das Erbe wird unser sein. 8 Und sie ergriffen ihn, töteten ihn und warfen ihn zum Weinberg hinaus. 9 Was wird der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Winzer umbringen und den Weinberg anderen geben. 10 Habt ihr nicht das Schriftwort gelesen:Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, / er ist zum Eckstein geworden; 11 durch den Herrn ist das geschehen, / und es ist ein Wunder in unseren Augen? 12 Daraufhin hätten sie sich gern seiner bemächtigt; aber sie fürchteten das Volk. Sie hatten nämlich verstanden, dass er sie mit diesem Gleichnis meinte. Da ließen sie von ihm ab und gingen weg.
Oder aber: Unter dem ersten Knecht verstehe die Propheten, die zur Zeit des Elias lebten, (2 Chr 18:23.) denn Zedekia, der falsche Prophet, schlug Micha; und unter dem zweiten Knecht, den sie am Kopf verwundeten, das heißt übel behandelten, können wir die Propheten verstehen, die zur Zeit des Hosea und Jesaja lebten; unter dem dritten Knecht aber verstehe die Propheten, die zur Zeit Daniels und Ezechiels blühten. Es folgt: Da er nun noch einen Sohn hatte, seinen geliebten, sandte er auch ihn zuletzt zu ihnen und sprach: Vielleicht werden sie meinen Sohn scheuen.