Beda Venerabilis
Catena Aurea · Markusevangelium 11
11 Und er zog in Jerusalem ein, in den Tempel. Nachdem er sich alles ringsum angesehen hatte, ging er, da es schon spät war, mit den Zwölf nach Betanien hinaus. 12 Als sie tags darauf von Betanien weggegangen waren, hatte er Hunger. 13 Da sah er von weitem einen Feigenbaum mit Blättern und ging hin, ob er vielleicht etwas (Essbares) an ihm fände. Als er aber zu ihm kam, fand er nichts als Blätter; denn es war nicht die Zeit für Feigen. 14 Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit soll niemand mehr eine Frucht von dir essen. Und seine Jünger hörten es.
(ubi sup.) Ebenso wie Er in Gleichnissen spricht, so sind auch Seine Taten Gleichnisse; daher kommt Er hungrig, um Frucht vom Feigenbaum zu suchen, und obwohl Er wusste, dass die Zeit der Feigen noch nicht gekommen war, verurteilt Er ihn zu ewiger Unfruchtbarkeit, um zu zeigen, dass das jüdische Volk nicht durch die Blätter, das heißt durch die Worte der Gerechtigkeit, die es hatte, ohne Frucht, das heißt ohne gute Werke, gerettet werden konnte, sondern abgehauen und ins Feuer geworfen werden sollte. Hungrig also, das heißt, nach der Erlösung der Menschheit verlangend, sah Er den Feigenbaum, das ist das jüdische Volk, mit Blättern, oder den Worten des Gesetzes und der Propheten, und Er suchte an ihm die Frucht guter Werke, indem Er sie lehrte, sie tadelte, Wunder wirkte, und Er fand sie nicht, und daher verurteilte Er ihn. Auch du, wenn du nicht von Christus im Gericht verurteilt werden willst, hüte dich, ein unfruchtbarer Baum zu sein, sondern bringe Christus vielmehr die Frucht der Frömmigkeit dar, die Er verlangt.