Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Markusevangelium 10
17 Als er sich auf den Weg machte, lief jemand auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen? 18 Jesus antwortete ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott allein. 19 Die Gebote kennst du: Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht stehlen, du sollst kein falsches Zeugnis geben, du sollst niemand berauben, ehre deinen Vater und deine Mutter. 20 Er antwortete ihm: Meister, das alles habe ich von meiner Jugend an befolgt. 21 Da sah Jesus ihn an, gewann ihn lieb und sagte zu ihm: Eines fehlt dir noch. Geh, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen; so wirst du einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach. 22 Bei diesem Wort wurde der Mann betrübt und ging traurig davon; denn er besaß viele Güter. 23 Da blickte Jesus um sich und sagte zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen! 24 Die Jünger aber erschraken über seine Worte. Da wandte sich Jesus noch einmal an sie und sagte: Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! 25 Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. 26 Da erschraken sie noch viel mehr und sagten zueinander: Wer kann dann gerettet werden? 27 Jesus blickte sie an und sagte: Bei Menschen ist das unmöglich, doch nicht bei Gott; denn bei Gott ist alles möglich.
Oder wir müssen verstehen, dass Er mit „bei den Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott“ meint, dass es möglich wird, wenn wir auf Gott hören, aber solange wir unsere menschlichen Vorstellungen festhalten, ist es unmöglich. Es folgt: Denn bei Gott sind alle Dinge möglich; wenn Er „alle Dinge“ sagt, musst du verstehen: die Sein haben; was die Sünde nicht hat, denn sie ist ein Ding ohne Sein und Substanz. Oder: Die Sünde fällt nicht unter den Begriff der Stärke, sondern der Schwäche, daher ist die Sünde wie die Schwäche bei Gott unmöglich. Aber kann Gott bewirken, dass das nicht geschehen ist, was geschehen ist? Darauf antworten wir, dass Gott die Wahrheit ist, aber zu bewirken, dass das, was geschehen ist, nicht geschehen ist, ist Lüge. Wie kann also die Wahrheit tun, was falsch ist? Er müsste zuerst Seine eigene Natur aufgeben, so dass die, welche so sprechen, wirklich sagen: Kann Gott aufhören, Gott zu sein? was absurd ist.