Pseudo-Chrysostomus
Catena Aurea · Markusevangelium 10
1 Er brach von dort auf und zog in das Gebiet von Judäa und jenseits des Jordan. Wieder strömten die Scharen bei ihm zusammen; und wieder lehrte er sie, wie er es gewohnt war. 2 Da kamen Pharisäer zu ihm und fragten ihn, um ihn auf die Probe zu stellen, ob es dem Mann erlaubt sei, seine Frau zu entlassen. 3 Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben? 4 Sie sagten: Mose hat erlaubt, einen Scheidebrief auszustellen und (sie damit) zu entlassen. 5 Jesus entgegnete ihnen: Wegen euerer Herzenshärte hat Mose euch diese Verordnung gegeben. 6 Von Anbeginn der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. 7 Deshalb wird der Mann Vater und Mutter verlassen und die beiden werden ein Fleisch sein. 8 Also sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. 9 Was aber Gott verbunden hat, das soll der Mensch nicht trennen. 10 Zu Hause befragten ihn die Jünger nochmals darüber. 11 Er antwortete ihnen: Wer seine Frau entlässt und eine andere heiratet, der bricht ihr gegenüber die Ehe. 12 Und wenn sie ihren Mann entlässt und einen anderen heiratet, so begeht sie Ehebruch.
(Vict. Ant. e Cat. in Marc.) Der Herr nennt das Zusammenleben mit der, die nicht die Frau eines Mannes ist, Ehebruch; sie ist jedoch keine Frau, die ein Mann zu sich genommen hat, nachdem er seine erste verlassen hat; und aus diesem Grund begeht er Ehebruch an ihr, das heißt an der zweiten, die er einführt. Und dasselbe gilt für die Frau; daher heißt es weiter: Und wenn eine Frau ihren Mann entlässt und einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch; denn sie kann nicht mit einem anderen als ihrem eigenen Mann verbunden werden, wenn sie den verlässt, der wirklich ihr eigener Mann ist. Das Gesetz verbot zwar, was offensichtlich Ehebruch war; aber der Heiland verbietet dies, was weder offensichtlich noch allen bekannt war, obwohl es gegen die Natur war.