
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Markusevangelium 10
1 Er brach von dort auf und zog in das Gebiet von Judäa und jenseits des Jordan. Wieder strömten die Scharen bei ihm zusammen; und wieder lehrte er sie, wie er es gewohnt war. 2 Da kamen Pharisäer zu ihm und fragten ihn, um ihn auf die Probe zu stellen, ob es dem Mann erlaubt sei, seine Frau zu entlassen. 3 Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben? 4 Sie sagten: Mose hat erlaubt, einen Scheidebrief auszustellen und (sie damit) zu entlassen. 5 Jesus entgegnete ihnen: Wegen euerer Herzenshärte hat Mose euch diese Verordnung gegeben. 6 Von Anbeginn der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. 7 Deshalb wird der Mann Vater und Mutter verlassen und die beiden werden ein Fleisch sein. 8 Also sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. 9 Was aber Gott verbunden hat, das soll der Mensch nicht trennen. 10 Zu Hause befragten ihn die Jünger nochmals darüber. 11 Er antwortete ihnen: Wer seine Frau entlässt und eine andere heiratet, der bricht ihr gegenüber die Ehe. 12 Und wenn sie ihren Mann entlässt und einen anderen heiratet, so begeht sie Ehebruch.
(cont. Faust. xix. 26) Mose jedoch war dagegen, dass ein Mann seine Frau entließ, denn er schob diese Verzögerung ein, damit jemand, dessen Sinn auf Trennung gerichtet war, durch das Schreiben des Scheidebriefs abgeschreckt würde und davon abließe; besonders da, wie berichtet wird, unter den Hebräern niemand außer den Schriftgelehrten hebräische Schriftzeichen schreiben durfte. Das Gesetz wollte also den, dem es befahl, einen Scheidebrief zu geben, bevor er seine Frau entließ, zu denen senden, die weise Ausleger des Gesetzes und gerechte Gegner des Streits sein sollten. Denn ein Scheidebrief konnte ihm nur von Männern geschrieben werden, die durch ihren guten Rat über ihn bestimmen konnten, da seine Umstände und Notwendigkeit ihn in ihre Hände gegeben hatten, und so durch Verhandlung zwischen ihm und seiner Frau sie zur Liebe und Eintracht überreden konnten. Wenn aber ein so großer Hass entstanden war, dass er nicht ausgelöscht und korrigiert werden konnte, dann sollte tatsächlich ein Scheidebrief geschrieben werden, damit er nicht leichthin die, die Gegenstand seines Hasses war, so entließe, dass er durch die Überredung der Weisen nicht zur Liebe zurückgerufen werden könnte, die er ihr durch die Ehe schuldete. Aus diesem Grund wird hinzugefügt: Wegen der Härte eures Herzens hat er dieses Gebot geschrieben; denn groß war die Härte des Herzens, die nicht erweicht oder gebeugt werden konnte, die Liebe der Ehe wieder anzunehmen und zurückzurufen, selbst nicht durch die Einschaltung eines Scheidebriefs, die den Gerechten und Weisen Gelegenheit gab, sie abzubringen.