Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Markusevangelium 1
4 Johannes der Täufer trat in der Wüste auf und verkündete eine Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden. 5 Ganz Judäa und alle Bewohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus und ließen sich von ihm im Jordan taufen und bekannten dabei ihre Sünden. 6 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften und nährte sich von Heuschrecken und wildem Honig. 7 Er verkündete: Nach mir kommt einer, der stärker ist als ich; ich bin nicht wert, mich zu bücken und den Riemen seiner Schuhe zu lösen. 8 Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit Heiligem Geist taufen.
Oder: Das Gewand aus Kamelhaar war ein Zeichen der Trauer, denn Johannes zeigte an, dass der, welcher Buße tut, trauern soll. Denn Sackleinen bedeutet Trauer; der Gürtel aus Fellen aber zeigt den toten Zustand des jüdischen Volkes an. Auch die Nahrung des Johannes bezeichnet nicht nur die Enthaltsamkeit, sondern zeigt auch die geistige Nahrung auf, welche das Volk damals aß, ohne etwas Erhabenes zu verstehen, sondern sich beständig hoch erhob und wieder zur Erde sank. Denn solcher Art ist die Natur der Heuschrecken, hoch springend und wieder fallend. Ebenso aß das Volk Honig, der von Bienen, das heißt von den Propheten, gekommen war; er war jedoch nicht häuslich, sondern wild, denn die Juden hatten die Schriften, die wie Honig sind, verstanden sie aber nicht recht.