
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 9
46 Es kam die Überlegung bei ihnen auf, wer wohl der Größte von ihnen sei. 47 Jesus, der die Gedanken ihres Herzens kannte, nahm ein Kind, stellte es neben sich 48 und sagte zu ihnen: Wer dieses Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Denn wer unter euch allen der Kleinste ist, der ist groß. 49 Da nahm Johannes das Wort und sprach: Meister, wir sahen einen in deinem Namen Dämonen austreiben und wir wollten ihn hindern, weil er nicht mit uns zusammen (dir) nachfolgt. 50 Jesus aber sagte zu ihm: Hindert ihn nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.
Nun wird Johannes nicht getadelt, weil er dies aus Liebe tat, sondern er wird gelehrt, den Unterschied zwischen den Starken und den Schwachen zu erkennen. Und daher schließt unser Herr, obwohl Er die Stärkeren belohnt, die Schwachen nicht aus; wie es folgt: Und Jesus sprach zu ihm: Hindere ihn nicht, denn wer nicht gegen euch ist, ist für euch. Wahrlich, o Herr. Denn sowohl Joseph als auch Nikodemus, durch Furcht Deine geheimen Jünger, verweigerten nicht ihre Dienste, als die Zeit kam. Aber dennoch, da Du anderswo gesagt hast: Wer nicht mit mir ist, ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, zerstreut, (Luk. 11,23.) erkläre uns, damit die beiden nicht einander widersprechen. Und mir scheint, wenn jemand den Erforscher der Herzen betrachtet, kann er nicht zweifeln, dass die Handlung jedes Menschen durch das Motiv seines Herzens unterschieden wird.