
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 7
18 Alles dies wurde Johannes von seinen Jüngern berichtet. 19 Da rief Johannes zwei seiner Jünger zu sich und sandte sie zum Herrn mit der Frage: Bist du es, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten? 20 Als die Männer bei Jesus eintrafen, sagten sie: Johannes der Täufer hat uns zu dir gesandt und lässt fragen: Bist du der Kommende oder müssen wir auf einen anderen warten? 21 Damals heilte er viele von Krankheiten, Qualen und bösen Geistern und vielen Blinden schenkte er das Augenlicht. 22 Er antwortete ihnen: Geht hin und berichtet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote werden auferweckt, Armen wird das Evangelium verkündet. 23 Und wohl dem, der an mir keinen Anstoß nimmt.
Doch haben wir zuvor gesagt, dass Johannes mystisch ein Typus des Gesetzes war, das der Vorläufer Christi war. Johannes sendet also seine Jünger zu Christus, damit sie die Erfüllung ihrer Erkenntnis erlangten, denn Christus ist die Erfüllung des Gesetzes. Und vielleicht sind jene Jünger die zwei Völker, von denen das eine der Juden glaubte, das andere der Heiden glaubte, weil sie hörten. Sie wünschten also zu sehen, denn selig sind die Augen, die sehen. Wenn sie aber zum Evangelium gekommen sein werden und gefunden haben, dass die Blinden sehen, die Lahmen gehen, dann werden sie sagen: „Wir haben mit unseren Augen gesehen“, denn wir scheinen selbst den zu sehen, von dem wir lesen. Oder vielleicht scheint es, dass wir durch die Wirksamkeit eines bestimmten Teils unseres Leibes alle den Verlauf des Leidens unseres Herrn nachgezeichnet haben; denn der Glaube kommt durch wenige zu vielen. Das Gesetz kündigt also an, dass Christus kommen wird; die Schriften des Evangeliums beweisen, dass er gekommen ist.