
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 6
27 Euch, die ihr zuhört, sage ich: Liebt euere Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen. 28 Segnet die, die euch verfluchen, und betet für die, die euch verleumden. 29 Wer dich auf die eine Wange schlägt, dem halte auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel nimmt, verweigere auch nicht den Rock. 30 Jedem, der dich bittet, gib; und von dem, der dir das Deine nimmt, fordere es nicht zurück. 31 Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun, ebenso sollt auch ihr ihnen tun.
Denn die, welche ihre eigenen Seelen durchbohren, verdienen Tränen und Weinen, nicht Flüche. Denn nichts ist hassenswerter als ein fluchendes Herz, oder abscheulicher als eine Zunge, die Flüche ausstößt. O Mensch, speie nicht das Gift der Nattern aus, noch verwandle dich in ein Tier. Dein Mund wurde dir nicht gegeben, um zu beißen, sondern um die Wunden anderer zu heilen. Aber er befiehlt uns, unsere Feinde in den Rang unserer Freunde zu zählen, nicht nur im Allgemeinen, sondern als unsere besonderen Freunde, für die wir gewohnt sind zu beten; wie es folgt: Betet für die, welche euch verfolgen. Aber viele fallen im Gegenteil nieder, schlagen ihre Gesichter auf den Boden und strecken ihre Hände aus, beten zu Gott nicht für ihre Sünden, sondern gegen ihre Feinde, was nichts anderes ist als sich selbst zu durchbohren. Wenn du zu ihm betest, dass er dich erhöre, während du deine Feinde verfluchst, der du verboten hast, gegen deine Feinde zu beten, wie ist es möglich, dass du erhört wirst, da du ihn aufforderst, dich zu erhören, indem du einen Feind in der Gegenwart des Königs schlägst, nicht mit der Hand indeed, sondern mit deinen Worten. Was tust du, o Mensch? Du stehst da, um Vergebung deiner Sünden zu erlangen, und du füllst deinen Mund mit Bitterkeit. Es ist eine Zeit der Vergebung, des Gebets und der Trauer, nicht des Zorns.