
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 6
24 Doch weh euch, ihr Reichen; denn ihr habt eueren Trost empfangen. 25 Weh euch, ihr Satten; denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen. 26 Weh, wenn euch alle Leute schmeicheln; denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.
Was hier gesagt wird, steht nicht im Gegensatz zu dem, was unser Herr anderswo sagt: Lasst euer Licht vor den Menschen leuchten; (Mt 5,16.) das heißt, dass wir eifrig sein sollen, Gutes zu tun zum Ruhm Gottes, nicht zu unserem eigenen. Denn Eitelkeit ist eine verderbliche Sache, und daraus entspringen Ungerechtigkeit, Verzweiflung und Habsucht, die Mutter des Bösen. Aber wenn du dich davon abwenden willst, erhebe stets deine Augen zu Gott und sei zufrieden mit dem Ruhm, der von ihm kommt. Denn wenn wir in allen Dingen die Gelehrteren als Richter wählen müssen, wie vertraust du dann der Menge die Entscheidung über die Tugend an und nicht vielmehr ihm, der sie vor allen anderen kennt und geben und belohnen kann, dessen Ruhm du daher, wenn du ihn begehrst, den Lob der Menschen meiden sollst. Denn niemand erregt mehr unsere Bewunderung als der, der den Ruhm zurückweist. Und wenn wir dies tun, so tut es viel mehr der Gott aller. Sei also eingedenk, dass der Ruhm der Menschen schnell vergeht, da er im Laufe der Zeit in Vergessenheit gerät. Es folgt: Denn so taten ihre Väter den falschen Propheten.