Gregor von Nyssa
Catena Aurea · Lukasevangelium 6
20 Er richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte: Selig ihr Armen; denn euch gehört das Reich Gottes. 21 Selig, die ihr jetzt hungert; denn ihr werdet satt werden. Selig, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen. 22 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen, wenn sie euch ausstoßen, schmähen und euch verleumden um des Menschensohnes willen. 23 Freut euch an jenem Tag und jubelt, denn euer Lohn ist groß im Himmel. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.
(de Beat. orat. 4.) Im tieferen Sinne aber: Wie die, welche leibliche Speise zu sich nehmen, ihren Appetit je nach der Beschaffenheit der zu essenden Dinge wechseln, so ist auch bei der Speise der Seele das eine von den Menschen aufgrund menschlicher Meinung begehrt, das andere, was wesentlich und von Natur aus gut ist. Daher werden nach Matthäus die Menschen selig gepriesen, die die Gerechtigkeit an die Stelle von Speise und Trank setzen; unter Gerechtigkeit verstehe ich nicht eine einzelne, sondern eine allgemeine Tugend, nach der zu hungern der selig genannt wird, der es tut.