
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 6
12 In diesen Tagen ging er auf den Berg, um zu beten, und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott. 13 Als es Tag geworden war, rief er seine Jünger herbei und wählte zwölf aus ihnen aus, die er auch Apostel nannte: 14 Simon, den er auch Petrus nannte, und seinen Bruder Andreas, Jakobus und Johannes, Philippus und Bartolomäus, 15 Matthäus und Thomas, Jakobus, den Sohn des Alphäus, und Simon mit dem Beinamen Zelot, 16 und Judas, den Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum Verräter wurde.
(Hom. ad Pop. Ant. 42. et in Act. c. 16. Ed. Lat.) Steh also auch du zur Nachtzeit auf. Die Seele ist dann reiner, die Dunkelheit selbst und die große Stille genügen, um uns zur Reue über unsere Sünden zu führen. Aber wenn du den Himmel selbst betrachtest, der wie mit unzähligen Augen mit Sternen besetzt ist, wenn du bedenkst, dass die, die bei Tag ausschweifen und Unrecht tun, dann nicht anders sind als die Toten, wirst du alle menschlichen Unternehmungen verabscheuen. All diese Dinge dienen dazu, den Geist zu erheben. Eitle Ruhmsucht beunruhigt dann nicht, kein Aufruhr der Leidenschaft hat die Oberhand; Feuer zerstört nicht so den Rost des Eisens wie nächtliches Gebet den Schaden der Sünde. Wen die Hitze der Sonne bei Tag fiebrig gemacht hat, wird durch den Tau erfrischt; nächtliche Tränen sind besser als jeder Tau und sind ein Schutz gegen Begierde und Furcht. Wenn aber ein Mensch nicht durch den Tau, von dem wir sprechen, erquickt wird, verdorrt er bei Tag. Deshalb, obwohl du nachts nicht viel betest, bete einmal mit Wachsamkeit, und es ist genug; zeige, dass die Nacht nicht nur dem Leib, sondern auch der Seele gehört.