
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 6
6 An einem anderen Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte. Dort war ein Mann, dessen rechte Hand verdorrt war. 7 Die Schriftgelehrten und Pharisäer beobachteten ihn, ob er am Sabbat heilen würde, damit sie eine Anklage gegen ihn finden könnten. 8 Er aber kannte ihre Gedanken und sagte zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf und stelle dich in die Mitte! Er stand auf und stellte sich hin. 9 Da sagte Jesus zu ihnen: Ich frage euch: Ist es erlaubt, am Sabbat Gutes oder Böses zu tun, ein Leben zu retten oder zu verderben? 10 Und er blickte sie alle ringsum an und sagte zu ihm: Streck deine Hand aus! Er tat es und seine Hand wurde wieder gesund. 11 Sie aber wurden von blinder Wut erfüllt und besprachen sich miteinander, was sie Jesus antun könnten.
Aug. de Qu. Ev. l. iii. qu. 7.) Obwohl aber unser Herr den Leib heilte, stellte er diese Frage: „Ist es erlaubt, die Seele zu retten oder zu verlieren?“ entweder weil er seine Wunder um des Glaubens willen wirkte, in dem das Heil der Seele liegt; oder weil die Heilung der rechten Hand das Heil der Seele bedeutete, die, da sie aufhörte, gute Werke zu tun, in gewissem Maße eine verdorrte rechte Hand zu haben schien, d. h. er setzte die Seele für den Menschen, wie man gewöhnlich sagt: „So viele Seelen waren dort.“