
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 4
14 Erfüllt von der Kraft des Geistes, kehrte Jesus nach Galiläa zurück; und die Kunde von ihm verbreitete sich im ganzen Umkreis. 15 Von allen gepriesen, lehrte er in ihren Synagogen. 16 Er kam nach Nazaret, wo er aufgewachsen war. Nach seiner Gewohnheit ging er am Sabbat in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen. 17 Es wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Er öffnete das Buch und fand die Stelle, wo geschrieben stand: 18 Der Geist des Herrn ruht auf mir, weil er mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Armen frohe Botschaft zu bringen, den Gefangenen Befreiung zu verkünden und den Blinden das Augenlicht, die Zerschlagenen in Freiheit zu entlassen, 19 auszurufen ein Gnadenjahr des Herrn. 20 Nachdem er das Buch zusammengerollt hatte, gab er es dem Diener zurück und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. 21 Da begann er, zu ihnen zu sprechen: Heute ist dieses Schriftwort vor eueren Ohren erfüllt worden.
(in Ps. 125.) Das Wort Gefangenschaft hat viele Bedeutungen. Es gibt eine gute Gefangenschaft, von der der heilige Paulus spricht, wenn er sagt: Jeden Gedanken gefangen zu nehmen unter den Gehorsam Christi. (2 Kor. 10,5.) Es gibt auch eine schlechte Gefangenschaft, von der gesagt wird: Sie führen gefangene Weiber mit, die mit Sünden beladen sind. (2 Tim. 3,6.) Es gibt eine Gefangenschaft, die den Sinnen gegenwärtig ist, das heißt durch unsere leiblichen Feinde. Aber die schlimmste Gefangenschaft ist die des Geistes, von der er hier spricht. Denn die Sünde übt die schlimmste aller Tyranneien aus, befiehlt Böses zu tun und vernichtet die, die ihr gehorchen. Aus diesem Gefängnis der Seele befreit uns Christus.