
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 4
9 Dann führte er ihn nach Jerusalem, stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, stürz dich von hier hinunter; 10 denn es steht geschrieben: Seinen Engeln wird er deinetwegen Befehl geben, dich zu behüten, 11 und: Auf den Händen werden sie dich tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt. 12 Jesus antwortete ihm: Es heißt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen. 13 Als der Teufel mit aller Versuchung am Ende war, ließ er von ihm eine Zeit lang ab.
Doch beachte, wie der Herr, statt beunruhigt zu sein, sich herablässt, mit dem Bösen aus den Schriften zu disputieren, damit du, soweit du es vermagst, Christus ähnlich werdest. Der Teufel kannte die Waffen Christi, unter denen er sank. Christus nahm ihn durch Sanftmut gefangen, er überwand ihn durch Demut. Handle auch du so, wenn du einen Menschen siehst, der ein Teufel geworden ist, und dir entgegenkommt, bezwinge ihn auf gleiche Weise. Lehre deine Seele, ihre Worte denen Christi anzugleichen. Denn wie ein römischer Richter, der auf dem Richterstuhl sich weigert, die Antwort dessen zu hören, der nicht so zu sprechen weiß wie er; so wird auch Christus, wenn du nicht nach seiner Weise sprichst, dich weder hören noch beschützen.