
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 3
15 Da aber das Volk voller Erwartung war und sich alle über Johannes Gedanken machten, ob er selbst nicht vielleicht der Messias sei, 16 gab Johannes allen zur Antwort: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin nicht wert, ihm die Riemen seiner Schuhe zu lösen. Er wird euch mit Heiligem Geist und mit Feuer taufen. 17 Er hat die Wurfschaufel in seiner Hand, um seine Tenne zu fegen und den Weizen in seine Scheune zu sammeln; die Spreu aber wird er in unauslöschlichem Feuer verbrennen.
Oder: Johannes sah in die Geheimnisse des Herzens; doch bedenken wir, durch wessen Gnade, denn es ist eine Gabe Gottes, dem Menschen Dinge zu offenbaren, nicht eine Tugend des Menschen, die vielmehr durch den göttlichen Segen unterstützt wird, als dass sie durch irgendeine natürliche Kraft aus sich selbst dazu fähig wäre. Doch schnell antwortete er ihnen und bewies, dass er nicht der Christus war, denn seine Werke geschahen durch sichtbare Handlungen. Denn da der Mensch aus zwei Naturen zusammengesetzt ist, nämlich Seele und Leib, wird das sichtbare Mysterium durch das Sichtbare geheiligt, das unsichtbare durch das Unsichtbare; denn durch das Wasser wird der Leib gewaschen, durch den Geist wird die Seele von ihren Flecken gereinigt. Es ist uns auch erlaubt, im Wasser selbst den heiligenden Einfluss der Gottheit auf uns eingehaucht zu erhalten. Und daher gab es eine Taufe der Buße, eine andere der Gnade. Die letztere geschah durch Wasser und Geist, die erstere nur durch eines; das Werk des Menschen ist es, Reue für seine Sünde hervorzubringen, es ist die Gabe Gottes, die Gnade seines Mysteriums einzugießen. Frei von jeglichem Neid auf die Größe Christi, erklärte er daher nicht durch Wort, sondern durch Tat, dass er nicht der Christus war. Daher folgt: Es kommt nach mir einer, der stärker ist als ich. Mit den Worten „stärker als ich“ zieht er keinen Vergleich, denn es kann keinen geben zwischen dem Sohn Gottes und einem Menschen, sondern weil es viele Starke gibt, ist keiner stärker als Christus. So weit war er davon entfernt, einen Vergleich anzustellen, dass er hinzufügt: Dessen Schuhriemen ich nicht würdig bin zu lösen.