
Gregor von Nazianz
Catena Aurea · Lukasevangelium 24
36 Während sie noch darüber redeten, stand er selbst in ihrer Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! 37 Erschrocken und von Furcht ergriffen, meinten sie, einen Geist zu sehen. 38 Da sagte er ihnen: Was seid ihr bestürzt und warum steigen Zweifel in eueren Herzen auf? 39 Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst! Fasst mich doch an und seht! Ein Geist hat doch nicht Fleisch und Bein, wie ihr es an mir seht. 40 Als er dies gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Füße.
(Orat. 22.) Lasst uns also die Gabe des Friedens verehren, die Christus uns hinterließ, als Er von hier fortging. Der Friede ist sowohl dem Namen als auch der Wirklichkeit nach süß, den wir auch als von Gott stammend gehört haben, wie es heißt: Der Friede Gottes; (Phil 4,7.) und dass Gott von ihm ist, da Er unser Friede ist. (Eph 2,14.) Der Friede ist ein Segen, der von allen gelobt, aber von wenigen beachtet wird. Was ist also die Ursache? Vielleicht die Begierde nach Herrschaft oder Reichtümern, oder der Neid oder Hass gegen unseren Nächsten, oder eines jener Laster, in die wir Menschen fallen sehen, die Gott nicht kennen. Denn der Friede ist eigentümlich Gottes, der alle Dinge in einem verbindet, dem nichts so sehr gehört wie die Einheit der Natur und ein friedlicher Zustand. Er wird zwar von Engeln und göttlichen Mächten entlehnt, die friedlich gegenüber Gott und einander gesinnt sind. Er ist durch die ganze Schöpfung verbreitet, deren Herrlichkeit Ruhe ist. In uns aber bleibt er in unseren Seelen durch das Befolgen und Mitteilen der Tugenden, in unseren Körpern durch die Harmonie unserer Glieder und Organe, von denen das eine Schönheit, das andere Gesundheit genannt wird.