
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 24
36 Während sie noch darüber redeten, stand er selbst in ihrer Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! 37 Erschrocken und von Furcht ergriffen, meinten sie, einen Geist zu sehen. 38 Da sagte er ihnen: Was seid ihr bestürzt und warum steigen Zweifel in eueren Herzen auf? 39 Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst! Fasst mich doch an und seht! Ein Geist hat doch nicht Fleisch und Bein, wie ihr es an mir seht. 40 Als er dies gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Füße.
(ut sup.) Was aber vom Engel gesagt wurde, das heißt vom Herrn, muss prophetisch verstanden werden, denn durch das Wort Galiläa, gemäß seiner Bedeutung von „Wanderung“, ist zu verstehen, dass sie im Begriff waren, vom Volk Israel zu den Heiden überzugehen, denen die Apostel die Predigt des Evangeliums nicht anvertrauen würden, wenn nicht der Herr Selbst Seinen Weg in den Herzen der Menschen bereitet hätte. Und das ist es, was mit den Worten gemeint ist: Er wird vor euch nach Galiläa gehen, dort werdet ihr Ihn sehen. Aber gemäß der Auslegung von Galiläa, wodurch es „Offenbarung“ bedeutet, müssen wir verstehen, dass Er nicht mehr in der Gestalt eines Knechtes offenbart werden wird, sondern in jener Gestalt, in der Er dem Vater gleich ist, die Er Seinen Auserwählten verheißen hat. Jene Offenbarung wird gleichsam das wahre Galiläa sein, wenn wir Ihn sehen werden, wie Er ist. Dies wird auch jene weit seligere Wanderung von der Welt zur Ewigkeit sein, von wo Er, obwohl Er zu uns kam, nicht fortging, und zu der Er, indem Er uns vorausging, uns nicht verlassen hat.