Beda Venerabilis
Catena Aurea · Lukasevangelium 23
50 Ein Mann namens Josef war Mitglied des Hohen Rates; er war ein guter und gerechter Mann, 51 der ihrem Beschluss und Vorgehen nicht zugestimmt hatte. Er kam aus Arimathäa, einer Stadt in Judäa, und erwartete auch das Reich Gottes. 52 Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu, 53 nahm ihn herunter, hüllte ihn in Leinwand und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch niemand bestattet worden war. 54 Es war Rüsttag, kurz vor Sabbat. 55 Die Frauen, die ihn von Galiläa her begleitet hatten, waren mitgegangen und sahen zu, wie der Leichnam im Grab bestattet wurde. 56 Dann kehrten sie heim und bereiteten Balsam und Salböl. Am Sabbat ruhten sie, wie es das Gesetz vorschreibt.
Dass nun der Herr am sechsten Tag gekreuzigt wird und am siebten ruht, bedeutet, dass wir im sechsten Zeitalter der Welt notwendigerweise für Christus leiden und gleichsam der Welt gekreuzigt sein müssen. (Gal. 6:14.) Aber im siebten Zeitalter, das heißt nach dem Tod, ruhen unsere Leiber zwar in den Gräbern, unsere Seelen aber beim Herrn. Doch auch schon in der Gegenwart warten heilige Frauen (das heißt demütige Seelen), in Liebe glühend, eifrig auf die Passion Christi und erwägen, wenn sie ihm vielleicht nachahmen können, mit ängstlicher Sorgfalt jeden Schritt der Reihe nach, durch den diese Passion erfüllt wird. Und nachdem sie all dies gelesen, gehört und ins Gedächtnis gerufen haben, wenden sie sich als Nächstes der Bereitung der Werke der Tugend zu, durch die Christus erfreut werden kann, damit sie, nachdem sie die Vorbereitung dieses gegenwärtigen Lebens vollendet haben, in seliger Ruhe zur Zeit der Auferstehung Christus mit dem Weihrauch geistlicher Werke begegnen.