
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 23
50 Ein Mann namens Josef war Mitglied des Hohen Rates; er war ein guter und gerechter Mann, 51 der ihrem Beschluss und Vorgehen nicht zugestimmt hatte. Er kam aus Arimathäa, einer Stadt in Judäa, und erwartete auch das Reich Gottes. 52 Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu, 53 nahm ihn herunter, hüllte ihn in Leinwand und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch niemand bestattet worden war. 54 Es war Rüsttag, kurz vor Sabbat. 55 Die Frauen, die ihn von Galiläa her begleitet hatten, waren mitgegangen und sahen zu, wie der Leichnam im Grab bestattet wurde. 56 Dann kehrten sie heim und bereiteten Balsam und Salböl. Am Sabbat ruhten sie, wie es das Gesetz vorschreibt.
Nicht ohne Bedeutung hat der eine Evangelist von einem neuen Grab gesprochen, der andere vom Grab des Joseph. Denn das Grab wird von denen bereitet, die unter dem Gesetz des Todes stehen; der Überwinder des Todes hat kein eigenes Grab. Denn welche Gemeinschaft hat Gott mit dem Grab? Er allein ist in diesem Grab eingeschlossen, weil der Tod Christi, obwohl er nach der Natur des Leibes gemeinsam war, doch hinsichtlich der Macht eigentümlich war. Aber Christus wird zu Recht im Grab des Gerechten begraben, damit er in der Wohnung der Gerechtigkeit ruhe. Denn dieses Grabmal haut der gerechte Mann mit dem durchdringenden Wort in die Herzen der heidnischen Härte, damit die Macht Christi sich über die Völker erstrecke. Und sehr zu Recht wird ein Stein gegen das Grab gewälzt; denn wer Christus wahrhaft in sich begraben hat, muss sorgfältig wachen, damit er ihn nicht verliere oder dem Unglauben Einlass gewähre.