
Cyrill von Alexandrien
Catena Aurea · Lukasevangelium 20
19 Die Hohenpriester und Schriftgelehrten hätten gern in jener Stunde Hand an ihn gelegt, fürchteten aber das Volk. Sie hatten nämlich verstanden, dass er sie mit diesem Gleichnis meinte. 20 Sie belauerten ihn und schickten Spitzel, die sich den Anschein gesetzestreuer Leute geben sollten, um ihn bei einem Wort zu fangen, damit sie ihn der Obrigkeit und der Gewalt des Statthalters übergeben könnten. 21 Und sie fragten ihn und sagten: Meister, wir wissen, dass du recht redest und lehrst und nicht auf die Person siehst, sondern den Weg Gottes gemäß der Wahrheit lehrst. 22 Ist es uns erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen oder nicht? 23 Er aber durchschaute ihre Arglist und sagte zu ihnen: 24 Zeigt mir einen Denar! Wessen Bild und Aufschrift hat er? Sie antworteten: Die des Kaisers. 25 Da sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! 26 Und es gelang ihnen nicht, ihn vor dem Volk bei einem (unüberlegten) Wort zu fangen. Verwundert über seine Antwort verstummten sie.
Es ziemte sich zwar für die Herrscher der Juden, da sie erkannten, dass das Gleichnis von ihnen gesprochen war, vom Bösen abzulassen, da sie so gleichsam vor der Zukunft gewarnt worden waren. Doch dessen wenig eingedenk, sammelten sie vielmehr einen neuen Anlass für ihre Verbrechen. Das Gebot des Gesetzes hielt sie nicht zurück, das da sagt: Den Unschuldigen und Gerechten sollst du nicht töten (Exod. 23,7.), aber die Furcht vor dem Volk hemmte ihren bösen Plan. Denn sie stellten die Furcht vor Menschen über die Ehrfurcht vor Gott. Der Grund für diesen Plan wird angegeben, denn sie erkannten, dass Er dieses Gleichnis gegen sie sprach.