Griechischer Exeget
Catena Aurea · Lukasevangelium 2
42 Als er zwölf Jahre alt war, gingen sie der Festsitte gemäß wieder hinauf. 43 Als die Tage vorüber waren und sie heimkehrten, blieb der Junge Jesus in Jerusalem und seine Eltern wussten es nicht. 44 In der Meinung, er sei bei der Pilgergruppe, gingen sie eine Tagreise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. 45 Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. 46 Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel, wie er mitten unter den Lehrern saß, ihnen zuhörte und Fragen stellte. 47 Alle, die ihn hörten, staunten über seine Einsicht und über seine Antworten. 48 Als seine Eltern ihn sahen, waren sie fassungslos, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, warum hast du uns das angetan? Dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. 49 Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? 50 Doch sie verstanden nicht, was er damit meinte.
(Geometer.) Dies ist der erste Beweis der Weisheit und Macht des Kindes Jesus. Denn was die sogenannten Taten Seiner Kindheit betrifft, können wir nicht anders, als anzunehmen, dass sie das Werk nicht nur eines kindischen, sondern sogar eines teuflischen Geistes und perversen Willens sind, die versuchen, das zu schmähen, was im Evangelium und in den heiligen Prophezeiungen enthalten ist. Wenn man aber nur das annehmen will, was allgemein geglaubt wird und nicht unseren anderen Erklärungen widerspricht, sondern auch mit den Worten der Prophezeiung übereinstimmt, so genüge es, dass Jesus an Gestalt vor den Menschensöhnen ausgezeichnet war; gehorsam Seiner Mutter, sanft im Wesen; im Aussehen voller Gnade und Würde; beredt in Worten, freundlich und bedacht auf die Bedürfnisse anderer, bekannt bei allen für eine Kraft und Energie, wie von einem, der mit aller Weisheit erfüllt war; und wie in anderen Dingen, so auch in allem menschlichen Umgang, obwohl über dem Menschen, Selbst die Regel und das Maß. Was Ihn aber am meisten auszeichnete, war Seine Sanftmut, und dass niemals ein Schermesser auf Sein Haupt gekommen war, noch eine menschliche Hand außer der Seiner Mutter. Aber aus diesen Worten können wir eine Lehre ziehen; denn als der Herr Maria tadelt, die Ihn unter Seinen Verwandten sucht, weist Er sehr treffend auf die Aufgabe aller fleischlichen Bande hin und zeigt, dass es dem nicht zukommt, das Ziel der Vollkommenheit zu erreichen, der noch von den Dingen des Leibes umgeben ist und unter ihnen wandelt, und dass Menschen durch die Liebe zu ihren Verwandten von der Vollkommenheit abfallen.