Gregor von Nyssa
Catena Aurea · Lukasevangelium 2
6 Während sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, 7 und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge für sie kein Platz war.
(Diem Nat. Christi.) Obwohl er in Menschengestalt kam, ist er doch nicht in allem den Gesetzen der menschlichen Natur unterworfen; denn während seine Geburt von einer Frau von der menschlichen Natur zeugt, deutet die Jungfräulichkeit, die der Geburt fähig wird, auf etwas über den Menschen Hinausgehendes hin. Von ihm also war die Last seiner Mutter leicht, die Geburt unbefleckt, die Entbindung ohne Schmerz, die Niederkunft ohne Verunreinigung, weder aus zügellosem Verlangen beginnend noch mit Schmerz vollzogen. Denn wie jene, die durch ihre Schuld den Tod in unsere Natur einpfropfte, dazu verurteilt wurde, mit Mühsal zu gebären, so ziemte es sich, dass jene, die das Leben in die Welt brachte, ihre Entbindung mit Freude vollendete. Durch die Reinheit einer Jungfrau aber macht er seinen Übergang in das sterbliche Leben zu einer Zeit, in der die Dunkelheit zu weichen begann und die weite Ausdehnung der Nacht vor dem übermäßigen Glanz des Lichtes verblasste. Denn der Tod der Sünde hatte der Bosheit ein Ende gesetzt, die von da an wegen der Gegenwart des wahren Lichtes, das die ganze Welt mit den Strahlen des Evangeliums erleuchtet hat, zu nichts mehr führt.