
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 19
28 Nach diesen Worten zog er weiter und ging nach Jerusalem hinauf. 29 Als er in die Nähe von Betfage und Betanien an den Berg kam, der Ölberg heißt, sandte er zwei Jünger voraus 30 und sagte: Geht in das Dorf, dass vor uns liegt. Wenn ihr hineinkommt, werdet ihr ein Eselsfohlen angebunden finden, auf dem noch kein Mensch gesessen hat; das bindet los und bringt es her. 31 Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr es los?, dann sagt ihm: Der Herr braucht es. 32 Die Abgesandten gingen hin und fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte. 33 Als sie aber das Fohlen losbanden, sagten seine Besitzer zu ihnen: Was bindet ihr das Fohlen los? 34 Sie antworteten: Der Herr braucht es. 35 Und sie brachten es zu Jesus, warfen ihre Mäntel auf das Fohlen und ließen Jesus aufsitzen. 36 Während er dahinritt, breiteten sie ihre Kleider auf den Weg.
Denn sie waren im Dorf, und das Füllen war mit seiner Mutter angebunden, und es konnte nur durch den Befehl des Herrn losgebunden werden. Die Hand des Apostels bindet es los. So war die Tat, so das Leben, so die Gnade. Sei so, dass du die Gebundenen losbinden kannst. In der Eselin hat Matthäus zwar die Mutter des Irrtums dargestellt, im Füllen aber hat Lukas den allgemeinen Charakter des heidnischen Volkes beschrieben. Und mit Recht, worauf noch nie ein Mensch gesessen hatte, denn keiner vor Christus hat die Völker der Heiden in die Kirche gerufen. Dieses Volk aber war gefesselt und gebunden durch die Ketten der Ungerechtigkeit, einem ungerechten Herrn unterworfen, dem Diener des Irrtums, und konnte sich keine Autorität anmaßen, die nicht die Natur, sondern das Verbrechen schuldig gemacht hatte. Da vom Herrn die Rede ist, wird ein einziger Herr anerkannt. O elende Knechtschaft unter einer zweifelhaften Herrschaft! Denn viele Herren hat, wer nicht einen hat. Andere binden, um zu besitzen; Christus bindet los, um zu behalten, denn er wusste, dass Gaben mächtiger sind als Ketten.