
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 17
34 Ich sage euch: In jener Nacht werden zwei auf einem Bett liegen: Der eine wird mitgenommen und der andere zurückgelassen. 35 Zwei (Frauen) werden zusammen (Getreide) mahlen: Die eine wird mitgenommen, die andere aber zurückgelassen. 36 [Zwei werden auf dem Feld sein: Der eine wird mitgenommen und der andere zurückgelassen.] 37 Da fragten sie ihn: Wo, Herr? Er antwortete ihnen: Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier.
Oder aus demselben Bett menschlicher Schwachheit wird einer zurückgelassen, das heißt verworfen, ein anderer aufgenommen, das heißt emporgehoben, um Christus in der Luft zu begegnen. Mit den zwei zusammen Mahlenden scheint er die Armen und Unterdrückten anzudeuten. Dazu gehört, was folgt: Zwei Männer werden auf dem Feld sein usw. Denn in diesen gibt es keinen geringen Unterschied. Denn einige ertragen edel die Bürde der Armut und führen ein demütiges, aber ehrliches Leben, und diese werden aufgenommen werden; die anderen aber sind sehr eifrig in der Bosheit, und sie werden zurückgelassen werden. Oder die, die an der Mühle mahlen, scheinen solche darzustellen, die Nahrung aus verborgenen Quellen suchen und aus geheimen Orten Dinge offen ans Licht bringen. Und vielleicht ist die Welt eine Art Getreidemühle, in der die Seele wie in einem leiblichen Gefängnis eingeschlossen ist. Und in dieser Getreidemühle kann entweder die Synagoge oder die der Sünde ausgesetzte Seele, wie das Weizenkorn, durch Mahlen erweicht und durch zu große Feuchtigkeit verdorben, das Äußere nicht vom Inneren trennen und wird daher zurückgelassen, weil ihr Mehl nicht genügt. Die heilige Kirche aber oder die Seele, die nicht durch die Flecken der Sünde befleckt ist, die solches Getreide mahlt, das durch die Hitze der ewigen Sonne gereift ist, bringt Gott gutes Mehl aus den geheimen Kammern des Herzens dar. Wer die zwei Männer auf dem Feld sind, können wir entdecken, wenn wir bedenken, dass es in uns zwei Gesinnungen gibt, die eine des äußeren Menschen, der verwest, die andere des inneren Menschen, der durch das Sakrament erneuert wird. Diese sind dann die Arbeiter auf dem Feld, von denen der eine durch Fleiß gute Frucht bringt, der andere durch Trägheit verliert, was er hat. Oder wir können die Verglichenen als zwei Völker deuten, von denen das eine gläubig ist und genommen wird, das andere ungläubig ist und zurückgelassen wird.