
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 17
3 Habt Acht auf euch selbst! Wenn dein Bruder sündigt, dann stelle ihn zur Rede; und wenn er umkehrt, vergib ihm. 4 Und wenn er sich siebenmal am Tag gegen dich versündigt und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt: ich bessere mich!, so vergib ihm.
Damit es weder eine hart abgerungene Verzeihung noch eine allzu leichte Vergebung gebe, weder ein hartes Schelten, das entmutigt, noch ein Übersehen von Fehlern, das zur Sünde einlädt; daher heißt es an anderer Stelle: Weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein. (Mt 18,15.) Denn besser ist eine freundliche Zurechtweisung als eine streitsüchtige Anklage. Die eine flößt dem Menschen Scham ein, die andere erregt seinen Zorn. Wer ermahnt wird, wird eher gerettet werden, weil er fürchtet, zugrunde zu gehen. Denn es ist gut, dass der Zurechtgewiesene glaubt, du seist eher sein Freund als sein Feind. Denn wir hören bereitwilliger auf Rat, als dass wir einer Verletzung nachgeben. Furcht ist ein schwacher Bewahrer der Beständigkeit, aber Scham ist ein vortrefflicher Lehrmeister der Pflicht. Denn wer fürchtet, wird zurückgehalten, nicht gebessert. Doch er hat gut gesagt: Wenn er gegen dich sündigt. Denn es ist nicht dasselbe, gegen Gott zu sündigen und gegen einen Menschen zu sündigen.