
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 16
27 Da sagte er: Dann bitte ich dich, Vater, ihn in das Haus meines Vaters zu schicken 28 -- ich habe nämlich fünf Brüder --, um sie zu warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. 29 Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. 30 Er entgegnete: Nein, Vater Abraham! Erst wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. 31 Doch Abraham sagte zu ihm: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.
(ubi sup.) Auch jene Geschichte kann so verstanden werden, dass wir unter Lazarus unseren Herrn verstehen; er lag am Tor des Reichen, weil er sich in der Niedrigkeit seiner Menschwerdung zu den stolzen Ohren der Juden herabließ; er begehrte, von den Brosamen gespeist zu werden, die vom Tisch des Reichen fielen, das heißt, er suchte von ihnen auch nur die geringsten Werke der Gerechtigkeit, die sie aus Stolz nicht für ihren eigenen Tisch (das heißt ihre eigene Macht) gebrauchen wollten, welche Werke, obwohl sehr gering und ohne die Disziplin der Beharrlichkeit in einem guten Leben, sie wenigstens manchmal zufällig tun konnten, wie Brosamen häufig vom Tisch fallen. Die Wunden sind die Leiden unseres Herrn, die Hunde, die sie leckten, sind die Heiden, die die Juden unrein nannten, und dennoch lecken sie mit dem süßesten Wohlgeruch der Hingabe die Leiden unseres Herrn in den Sakramenten seines Leibes und Blutes in der ganzen Welt. Abrahams Schoß wird als der verborgene Ort des Vaters verstanden, wohin unser Herr nach seiner Passion, als er wieder auferstand, aufgenommen wurde, wohin er, wie mir scheint, von den Engeln getragen wurde, weil jene Aufnahme, durch die Christus zum geheimen Ort des Vaters gelangte, die Engel den Jüngern verkündeten. Der Rest kann gemäß der früheren Erklärung verstanden werden, weil jenes gut als der geheime Ort des Vaters verstanden wird, wo sogar vor der Auferstehung die Seelen der Gerechten mit Gott leben.