
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 16
14 Die geldgierigen Pharisäer hörten das alles und verhöhnten ihn. 15 Da sagte er zu ihnen: Ihr seid es, die sich vor den Menschen als gerecht hinstellen, Gott aber kennt euere Herzen; denn was als hoch gilt bei den Menschen, ist ein Gräuel vor Gott. 16 Das Gesetz und die Propheten galten bis zu Johannes. Von da an wird das Evangelium vom Reich Gottes verkündet und jeder drängt sich mit Gewalt hinein. 17 Leichter ist es, dass Himmel und Erde vergehen, als dass vom Gesetz auch nur ein einziges Häkchen wegfällt. 18 Jeder, der seine Frau entlässt und eine andere heiratet, bricht die Ehe, und wer eine von ihrem Mann Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.
Doch müssen wir, denke ich, zuerst über das Ehegesetz sprechen, damit wir danach das Verbot der Scheidung erörtern. Manche meinen, jede Ehe sei von Gott eingesetzt, weil geschrieben steht: Was Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen. (Mt 19,6.) Wie sagt dann der Apostel: Wenn der Ungläubige sich trennt, soll er sich trennen? (Mk 10,9; 1 Kor 7,15.) Damit zeigt er, dass nicht die Ehe aller von Gott ist. Denn auch nicht durch Gottes Zustimmung werden Christen mit Heiden verbunden. Entlasse also nicht deine Frau, damit du nicht leugnest, dass Gott der Urheber deiner Verbindung ist. Denn wenn andere es ertragen, um wie viel mehr musst du das Verhalten deiner Frau ertragen und korrigieren. Und wenn sie schwanger mit Kindern fortgeschickt wird, ist es eine harte Sache, die Mutter auszuschließen und das Pfand zu behalten; so dass zur Schande der Eltern auch der Verlust der kindlichen Zuneigung hinzukommt. Noch härter, wenn du wegen der Mutter auch die Kinder vertreibst. Würdest du es ertragen, dass deine Kinder zu Lebzeiten unter einem Stiefvater stehen oder, während die Mutter lebt, unter einer Stiefmutter? Wie gefährlich ist es, das zarte Alter einer jungen Frau dem Irrtum auszusetzen. Wie böse ist es, im Alter die zu verlassen, deren Blüte des Wachstums du zerstört hast. Angenommen, sie heiratet nicht, nachdem sie geschieden wurde, auch das sollte dir missfallen, der du, obwohl sie eine Ehebrecherin ist, die Treue hältst. Angenommen, sie heiratet, ihre Not ist dein Verbrechen, und was du für eine Ehe hältst, ist Ehebruch.