Beda Venerabilis
Catena Aurea · Lukasevangelium 16
14 Die geldgierigen Pharisäer hörten das alles und verhöhnten ihn. 15 Da sagte er zu ihnen: Ihr seid es, die sich vor den Menschen als gerecht hinstellen, Gott aber kennt euere Herzen; denn was als hoch gilt bei den Menschen, ist ein Gräuel vor Gott. 16 Das Gesetz und die Propheten galten bis zu Johannes. Von da an wird das Evangelium vom Reich Gottes verkündet und jeder drängt sich mit Gewalt hinein. 17 Leichter ist es, dass Himmel und Erde vergehen, als dass vom Gesetz auch nur ein einziges Häkchen wegfällt. 18 Jeder, der seine Frau entlässt und eine andere heiratet, bricht die Ehe, und wer eine von ihrem Mann Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.
Damit sie aber nicht annähmen, dass er mit seinen Worten, das Gesetz und die Propheten bis auf Johannes, die Aufhebung des Gesetzes oder der Propheten predige, beugt er einer solchen Vorstellung vor und fügt hinzu: Und es ist leichter, dass Himmel und Erde vergehen, als dass ein Tüpfelchen des Gesetzes falle. Denn es steht geschrieben: Die Gestalt dieser Welt vergeht. (1 Kor 7,31.) Vom Gesetz aber ist nicht einmal der äußerste Punkt eines Buchstabens, das heißt nicht einmal das Geringste ohne geistliche Sakramente. Und doch waren das Gesetz und die Propheten bis auf Johannes, weil das immer als zukünftig geweissagt werden konnte, was durch die Predigt des Johannes offenbar gekommen war. Was er aber im Voraus über die immerwährende Unverletzlichkeit des Gesetzes sagte, bestätigt er durch ein daraus genommenes Zeugnis um des Beispiels willen, indem er spricht: Wer seine Frau entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch; und wer die entlassene Frau heiratet, begeht Ehebruch; damit sie aus diesem einen Fall lernten, dass er nicht gekommen sei, die Gebote des Gesetzes aufzulösen, sondern zu erfüllen.