Pseudo-Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 16
1 Er aber sagte zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter. Dieser wurde bei ihm beschuldigt, dass er seinen Besitz verschleudere. 2 Da ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich da von dir? Gib Rechenschaft von deiner Verwaltung; denn du kannst nicht länger Verwalter sein. 3 Da sagte sich der Verwalter: Was soll ich tun, da mein Herr mir die Verwaltung nimmt? Graben kann ich nicht, zu betteln schäme ich mich. 4 Doch ich weiß, was ich tue, damit sie mich, wenn ich von der Verwaltung abgesetzt bin, in ihre Häuser aufnehmen. 5 Und er ließ jeden Schuldner seines Herrn einzeln zu sich rufen und fragte den Ersten: Wie viel schuldest du meinem Herrn? 6 Er antwortete: Hundert Bat Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setze dich und schreib schnell fünfzig. 7 Dann sagte er zu einem anderen: Du aber, wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Kor Weizen. Er sagte zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig.
(Hom. de Divite.) Es gibt eine gewisse irrige Meinung, die der Menschheit innewohnt und das Böse vermehrt und das Gute vermindert. Es ist das Gefühl, dass wir alle guten Dinge, die wir im Laufe unseres Lebens besitzen, als Herren über sie besitzen, und dementsprechend ergreifen wir sie als unser besonderes Eigentum. Aber es ist ganz das Gegenteil. Denn wir sind in diesem Leben nicht als Herren in unserem eigenen Haus eingesetzt, sondern als Gäste und Fremde, geführt wohin wir nicht wollen, und zu einer Zeit, an die wir nicht denken. Wer jetzt reich ist, wird plötzlich ein Bettler. Wer du also auch bist, erkenne dich als Verwalter der Dinge anderer und dass die dir gewährten Vorrechte für einen kurzen und vergänglichen Gebrauch sind. Wirf also aus deiner Seele den Stolz der Macht und ziehe die Demut und Bescheidenheit eines Verwalters an.