
Gregor der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 14
15 Als einer der Tischgenossen dies hörte, sagte er zu ihm: Selig, wer am Mahl im Reich Gottes teilnehmen wird! 16 Jesus sagte zu ihm: Ein Mann veranstaltete ein großes Gastmahl und lud viele ein. 17 Zur Stunde des Gastmahls sandte er seinen Knecht aus, den Eingeladenen zu sagen: Kommt, denn nun ist es bereit. 18 Da fingen mit einem Mal alle an, sich zu entschuldigen. Der Erste sagte zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss unbedingt hingehen, ihn anzusehen; ich bitte dich, halte mich für entschuldigt! 19 Ein anderer sagte: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und gehe gerade hin, sie zu erproben; ich bitte dich, halte mich für entschuldigt! 20 Wieder ein anderer sagte: Ich habe eine Frau genommen und kann daher nicht kommen. 21 Der Knecht kam zurück und berichtete dies seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sagte zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Krüppel und Blinden und Lahmen hier herein! 22 (Wenig später) meldete der Knecht: Herr, es ist geschehen, wie du befohlen hast, aber es ist immer noch Platz da. 23 Da sagte der Herr zum Knecht: Geh hinaus an die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, damit mein Haus voll wird! 24 Ich sage euch nämlich: Keiner von jenen Männern, die eingeladen waren, wird an meinem Mahl teilnehmen.
(in Hom. 36. in Ev.) Durch die körperlichen Sinne auch, weil sie die Dinge im Inneren nicht erfassen können, sondern nur von dem Kenntnis nehmen, was außerhalb ist, wird mit Recht die Neugierde dargestellt, die, während sie ein ihr fremdes Leben abschütteln will und ihr eigenes geheimes Leben nicht kennt, auf den äußeren Dingen zu verweilen begehrt. Aber wir müssen beachten, dass der eine, der sich mit seinem Acker, und der andere, der sich mit der Erprobung seiner fünf Joch Ochsen vom Abendmahl seines Einladers entschuldigt, mit ihrer Entschuldigung die Worte der Demut vermischen. Denn wenn sie sagen: Ich bitte dich, und dann verschmähen zu kommen, klingt das Wort nach Demut, aber die Tat ist Hochmut. Es folgt: Und dieser sagte: Ich habe eine Frau geheiratet, und darum kann ich nicht kommen.