
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 13
22 Jesus wanderte lehrend durch Städte und Dörfer und nahm den Weg nach Jerusalem. 23 Da fragte ihn jemand: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er aber sagte zu ihnen: Bemüht euch darum, durch die enge Pforte zu gelangen! 24 Denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. 25 Wenn der Herr des Hauses sich erhoben und die Tür geschlossen hat und ihr draußen steht und klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf!, so wird er euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid. 26 Dann werdet ihr sagen: Wir haben mit euch gegessen und getrunken und du hast auf unseren Straßen gelehrt. 27 Er aber wird euch antworten: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir alle, ihr Übeltäter! 28 Da wird Heulen und Zähneknirschen sein, wenn ihr Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sehen werdet, ihr selbst aber ausgestoßen seid. 29 Und man wird von Osten und Westen, von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch liegen. 30 Manche von den Letzten werden dann die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.
(24, 40. in Matt.) Was aber ist das, was unser Herr anderswo sagt: Mein Joch ist sanft und meine Bürde ist leicht? (Mt 11,30.) Es gibt indeed keinen Widerspruch, sondern das eine wurde wegen der Art der Versuchungen gesagt, das andere im Hinblick auf das Gefühl derer, die sie überwanden. Denn was auch immer unserer Natur beschwerlich ist, kann als leicht angesehen werden, wenn wir es von Herzen auf uns nehmen. Außerdem: Obwohl der Weg des Heils an seinem Eingang eng ist, gelangen wir doch durch ihn in einen weiten Raum, während im Gegenteil der breite Weg zum Verderben führt.