Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Lukasevangelium 12
54 Außerdem sagte er zu den Volksscharen: Seht ihr im Westen eine Wolke aufsteigen, so sagt ihr gleich: Es kommt Regen!, und so kommt es. 55 Und wenn ihr den Südwind wehen seht, sagt ihr: Es wird heiß!, und so kommt es. 56 Ihr Heuchler! Das Aussehen von Erde und Himmel wisst ihr zu deuten. Warum aber könnt ihr nicht diese Zeit deuten? 57 Warum beurteilt ihr nicht auch von selbst, was recht ist?
Als er über die Predigt sprach und sie ein Schwert nannte, mögen seine Zuhörer beunruhigt gewesen sein, da sie nicht wussten, was er meinte. Und deshalb fügt unser Herr hinzu, dass, so wie die Menschen den Zustand des Wetters durch bestimmte Zeichen bestimmen, sie so auch sein Kommen erkennen sollten. Und das ist es, was er meint, wenn er sagt: Wenn ihr eine Wolke aus dem Westen aufsteigen seht, sagt ihr sogleich: Es kommt ein Regenschauer. Und wenn ihr den Südwind wehen seht, sagt ihr: Es wird Hitze geben, usw. Als ob er sagt: Eure Worte und Werke zeigen mir, dass ich euch entgegengesetzt bin. Ihr könnt also annehmen, dass ich nicht gekommen bin, um Frieden zu geben, sondern Sturm und Wirbelwind. Denn ich bin eine Wolke, und ich komme aus dem Westen, das heißt aus der menschlichen Natur, die seit langem mit der dichten Finsternis der Sünde bekleidet ist. Ich bin auch gekommen, um Feuer zu senden, das heißt, um Hitze zu erregen. Denn ich bin der starke Südwind, entgegengesetzt der nördlichen Kälte.