Gregor von Nyssa
Catena Aurea · Lukasevangelium 12
27 Betrachtet die Lilien, wie sie weder spinnen noch weben. Ich sage euch aber: Selbst Salomo in all seiner Pracht war nicht gekleidet wie eine von ihnen. 28 Wenn aber Gott das Gras, das heute auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wie viel mehr euch, ihr Kleingläubigen! 29 So fragt denn auch ihr nicht, was ihr essen und was ihr trinken werdet, und seid nicht in ängstlicher Unruhe; 30 denn nach all dem trachten die Völker der Welt. Euer Vater aber weiß, dass ihr das braucht. 31 Sucht vielmehr sein Reich; dann wird euch alles das dazugegeben.
(in Orat. Dom. Serm. 1.) Einige haben Herrschaft, Ehren und Reichtümer erlangt, indem sie darum beteten; wie also verbietest du uns, solche Dinge im Gebet zu suchen? Und in der Tat ist es jedem klar, dass alle diese Dinge zum göttlichen Ratschluss gehören, doch werden sie von Gott denen verliehen, die darum bitten, damit wir, indem wir lernen, dass Gott unsere niederen Bitten erhört, zum Verlangen nach höheren Dingen erhoben werden; so wie wir es bei Kindern sehen, die, sobald sie geboren sind, sich an die Brüste der Mutter klammern, aber wenn das Kind heranwächst, verachtet es die Milch und sucht nach einer Halskette oder etwas Ähnlichem, woran das Auge sich erfreut; und wiederum, wenn der Geist zusammen mit dem Körper fortgeschritten ist, gibt er alle kindlichen Wünsche auf und erbittet von seinen Eltern jene Dinge, die einem vollkommenen Leben entsprechen.