
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 12
27 Betrachtet die Lilien, wie sie weder spinnen noch weben. Ich sage euch aber: Selbst Salomo in all seiner Pracht war nicht gekleidet wie eine von ihnen. 28 Wenn aber Gott das Gras, das heute auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wie viel mehr euch, ihr Kleingläubigen! 29 So fragt denn auch ihr nicht, was ihr essen und was ihr trinken werdet, und seid nicht in ängstlicher Unruhe; 30 denn nach all dem trachten die Völker der Welt. Euer Vater aber weiß, dass ihr das braucht. 31 Sucht vielmehr sein Reich; dann wird euch alles das dazugegeben.
Und es scheint nicht von geringer Bedeutung, dass eine Blume entweder mit dem Menschen verglichen oder sogar fast mehr als der Mensch dem Salomo vorgezogen wird, um uns die ausgedrückte Herrlichkeit begreifen zu lassen, von der Leuchtkraft der Farbe her als die der himmlischen Engel; die wahrhaft die Blumen der anderen Welt sind, da durch ihren Glanz die Welt geschmückt wird, und sie den reinen Duft der Heiligung aushauchen, die von keinen Sorgen gefesselt, in keine mühselige Aufgabe verwickelt, die Gnade der göttlichen Güte gegen sie und die Gaben ihrer himmlischen Natur hegen. Daher wird auch Salomo hier mit Recht als in seiner eigenen Herrlichkeit gekleidet beschrieben und an anderer Stelle als verhüllt, weil die Gebrechlichkeit seiner leiblichen Natur gleichsam durch die Kräfte seines Geistes zur Herrlichkeit seiner Werke gekleidet wird. Die Engel aber, deren göttlichere Natur frei von leiblichem Schaden bleibt, werden mit Recht vorgezogen, obwohl er der größte Mensch ist. Wir sollten jedoch nicht an Gottes Erbarmen für uns verzweifeln, dem er durch die Gnade seiner Auferstehung die Ähnlichkeit mit den Engeln verheißt.