Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Lukasevangelium 12
24 Betrachtet die Raben: Sie säen nicht, sie ernten nicht; sie haben weder Speicher noch Scheune und Gott ernährt sie. Wie viel mehr seid ihr wert als die Vögel! 25 Wer aber von euch kann mit seinen Sorgen seiner Lebenslänge auch nur eine Elle hinzufügen? 26 Wenn ihr nun nicht einmal das Geringste vermögt, was sorgt ihr euch um das Übrige?
Der Grund nun, dass er die anderen Vögel übergeht und nur von den Raben spricht, ist der, dass die Jungen der Raben durch eine besondere Vorsehung von Gott ernährt werden. Denn die Raben bringen zwar hervor, füttern aber nicht, sondern vernachlässigen ihre Jungen, denen auf wunderbare Weise aus der Luft ihre Nahrung zukommt, gleichsam vom Wind herbeigetragen, die sie mit offenem Schnabel empfangen und so ernährt werden. Vielleicht wurde auch solches durch Synekdoche gesagt, d. h. das Ganze durch einen Teil bezeichnet. Daher bezieht sich unser Herr bei Matthäus auf die Vögel des Himmels (Mt 6,26), hier aber insbesondere auf die Raben, da sie gieriger und raubgieriger sind als andere.