
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 12
16 Er erzählte ihnen ein Gleichnis: Das Land eines reichen Mannes hatte gut getragen. 17 Da überlegte er: Was soll ich tun, da ich nicht genug Raum habe, meine Ernte unterzubringen? 18 Schließlich sagte er: So will ich es machen; ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen und dort mein ganzes Getreide und alle meine Güter unterbringen. 19 Dann kann ich zu mir sagen: Du hast großen Vorrat für viele Jahre; ruh dich aus, iss, trink und lass dir wohl sein! 20 Da sagte Gott zu ihm: Du Tor, diese Nacht noch wird man dein Leben von dir fordern! Wem aber wird gehören, was du angesammelt hast? 21 So geht es dem, der für sich Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.
(Concio. 2. de Lazar.) Sie werden es von dir fordern; denn vielleicht wurden gewisse schreckliche Mächte gesandt, um es zu fordern, da wir ja, wenn wir von Stadt zu Stadt gehen, einen Führer brauchen, um wieviel mehr wird die Seele, wenn sie vom Leibe befreit ist und ins künftige Leben hinübergeht, der Leitung bedürfen. Deshalb steigt die Seele oftmals empor und sinkt wieder in die Tiefe, wenn sie den Leib verlassen soll. Denn das Bewusstsein unserer Sünden sticht uns stets, am meisten aber, wenn wir vor den furchtbaren Gerichtshof geschleppt werden sollen. Denn wenn die ganze Anhäufung der Verbrechen wieder hervorgebracht und vor die Augen gestellt wird, bestürzt sie den Geist. Und wie Gefangene zwar immer traurig sind, besonders aber zu der Zeit, da sie vor den Richter gebracht werden sollen, so wird auch die Seele zu dieser Zeit sehr von der Sünde gequält und bedrückt, viel mehr aber nachdem sie hinweggenommen ist.