Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Lukasevangelium 1
39 Maria machte sich in diesen Tagen auf und eilte in eine Stadt im Gebirge von Judäa. 40 Sie trat in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. 41 Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib; Elisabet wurde vom Heiligen Geist erfüllt 42 und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! 43 Woher wird mir dies zuteil, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? 44 Denn als der Klang deines Grußes in mein Ohr drang, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. 45 Selig, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was ihr vom Herrn gesagt wurde.
Sie ging in die Berge, weil Zacharias dort wohnte. Wie es folgt: In eine Stadt Judas, und betrat das Haus des Zacharias. Lernt, o heilige Frauen, die Aufmerksamkeit, die ihr euren schwangeren Verwandten erweisen sollt. Denn Maria, die zuvor allein im Verborgenen ihrer Kammer wohnte, ließ sich weder durch jungfräuliche Scham vom öffentlichen Blick zurückhalten, noch durch die rauen Berge von der Verfolgung ihres Vorhabens, noch durch die Mühsal der Reise von der Erfüllung ihrer Pflicht. Lernt auch, o Jungfrauen, die Demut Marias. Sie kam als Verwandte zu ihrer nächsten Verwandten, die Jüngere zur Älteren, und sie kam nicht nur zu ihr, sondern war die erste, die sie grüßte; wie es folgt: Und sie grüßte Elisabeth. Denn je keuscher eine Jungfrau ist, desto demütiger soll sie sein und bereit, den Älteren nachzugeben. Sie sei also die Meisterin der Demut, in der das Bekenntnis der Keuschheit ist. Maria ist auch eine Ursache der Frömmigkeit, darin, dass die Höhere zur Niederen ging, damit die Niedere geholfen würde, Maria zu Elisabeth, Christus zu Johannes.