
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 1
36 Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch einen Sohn empfangen in ihrem Alter und dies ist schon der sechste Monat für sie, die als unfruchtbar galt. 37 Denn für Gott ist nichts unmöglich. 38 Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort. Dann verließ sie der Engel.
(contra Faust. l. xxvi. c. 5.) Wer aber sagt: „Wenn Gott allmächtig ist, so bewirke er, dass das, was geschehen ist, nicht geschehen sei“, der begreift nicht, dass er sagt: „Er bewirke, dass das, was wahr ist, eben in dem Maße, in dem es wahr ist, falsch sei.“ Denn er kann bewirken, dass etwas nicht ist, was war, wie wenn er bewirkt, dass ein Mensch, der durch Geburt zu sein begann, durch den Tod nicht ist. Wer aber kann sagen, dass er bewirkt, dass das nicht sei, was nicht mehr im Sein ist? Denn was vergangen ist, ist nicht mehr im Sein. Wenn aber einem Ding etwas widerfahren kann, so ist jenes Ding noch im Sein, dem etwas widerfährt; und wenn es ist, wie ist es vergangen? Also ist das nicht im Sein, von dem wir wahrhaft gesagt haben, dass es gewesen sei, weil die Wahrheit in unseren Meinungen liegt, nicht in jenem Ding, das nicht mehr ist. Aber diese Meinung kann Gott nicht falsch machen; und wir nennen Gott nicht deshalb allmächtig, als ob wir annähmen, er könne auch sterben. Er allein wird offenbar wahrhaft allmächtig genannt, der wahrhaft ist und durch den allein das ist, was in irgendeiner Weise existiert, sei es Geist oder Körper.