Griechischer Exeget
Catena Aurea · Lukasevangelium 1
28 Er trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. 29 Sie erschrak über das Wort und sann nach, was dieser Gruß bedeuten solle.
(sup.) Aber da sie an solche Visionen gewöhnt sein mochte, schreibt der Evangelist ihre Aufregung nicht der Vision zu, sondern den Worten, die ihr gesagt wurden, indem er sagt: Sie erschrak über seine Worte. Nun beachte sowohl die Bescheidenheit als auch die Weisheit der Jungfrau; die Seele und zugleich die Stimme. Als sie die freudigen Worte hörte, erwog sie sie in ihrem Sinn und widersetzte sich weder offen aus Unglauben noch stimmte sie sogleich leichtfertig zu; sie vermied gleichermaßen die Unbeständigkeit Evas und die Gefühllosigkeit des Zacharias. Daher wird gesagt: Und sie dachte in ihrem Sinn, was dieser Gruß bedeuten sollte; es wird nicht Empfängnis gesagt, denn noch kannte sie nicht die Größe des Geheimnisses. Aber der Gruß – war etwas Leidenschaftliches darin, wie von einem Mann an eine Jungfrau? Oder war er nicht von Gott, da er Gott erwähnt und sagt: Der Herr ist mit dir?