
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 9
24 Da riefen sie den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist. 25 Da antwortete er: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehen kann. 26 Da fragten sie ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet? 27 Er antwortete ihnen: Ich habe es euch schon gesagt, aber ihr habt nicht zugehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt etwa auch ihr seine Jünger werden? 28 Da beschimpften sie ihn und sagten: Du bist ein Jünger von ihm; wir aber sind Jünger des Mose. 29 Wir wissen, dass Gott zu Mose gesprochen hat. Woher aber dieser kommt, wissen wir nicht. 30 Der Mann antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; und doch hat er mir die Augen geöffnet. 31 Wir wissen, dass Gott keine Sünder erhört. Aber wer gottesfürchtig ist und seinen Willen erfüllt, den erhört er. 32 Von Ewigkeit her hat man nicht gehört, dass jemand einem Blindgeborenen die Augen geöffnet hat. 33 Wenn dieser Mensch nicht von Gott käme, könnte er nichts tun. 34 Sie antworteten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.
(Hom. lviii. 3) Beachtet also, als er oben sagte: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht, sprach er nicht im Zweifel; denn hier spricht er ihn nicht nur von aller Sünde frei, sondern stellt ihn als einen dar, der Gott wohlgefällig ist: Wenn aber jemand Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. Es genügt nicht, Gott zu kennen, wir müssen seinen Willen tun. Dann preist er seine Tat: Seit der Welt Anfang hat man nicht gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat: als wollte er sagen: Wenn ihr bekennt, dass Gott die Sünder nicht erhört; und dieser Mensch ein Wunder gewirkt hat, wie kein anderer Mensch; so ist offenbar, dass die Kraft, durch die er es gewirkt hat, mehr als menschlich ist: Wenn dieser nicht von Gott wäre, könnte er nichts tun.