
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 9
1 Im Vorübergehen sah er einen Mann, der von Geburt an blind war. 2 Seine Jünger fragten ihn: Rabbi, wer hat gesündigt, er selbst oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde? 3 Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden. 4 Ich muss die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat, solange es Tag ist. Es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann. 5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. 6 Nach diesen Worten spie er auf den Boden, machte einen Teig aus dem Speichel, strich ihm den Teig auf die Augen 7 und sagte zu ihm: Geh, wasche dich im Teich Schiloach!, das heißt übersetzt: Gesandter. Da ging er fort, wusch sich und kam sehend zurück.
(Hom. liv. 1. c. 5) Sie wurden zu dieser Frage veranlasst, weil unser Herr oben bei der Heilung des Gichtbrüchigen gesagt hatte: Siehe, du bist gesund geworden; sündige nicht mehr. Da sie daraus schlossen, dass der Mann wegen seiner Sünden mit der Gicht geschlagen worden war, fragen sie unseren Herrn hier beim Blinden, ob er gesündigt habe oder seine Eltern; keines von beiden konnte der Grund für seine Blindheit sein; das Erstere nicht, weil er von Geburt an blind war; das Letztere nicht, weil der Sohn nicht für den Vater leidet.