Origenes
Catena Aurea · Johannesevangelium 8
44 Ihr habt den Teufel zum Vater und wollt die Begierden eueres Vaters erfüllen. Er war ein Menschenmörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er lügt, dann redet er aus seinem eigensten Wissen, weil er ein Lügner ist und der Vater der Lüge. 45 Weil ich aber die Wahrheit sage, glaubt ihr mir nicht. 46 Wer von euch kann mich einer Sünde überführen? Wenn ich die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht? 47 Wer aus Gott ist, hört die Worte Gottes. Ihr hört sie deshalb nicht, weil ihr nicht aus Gott seid.
(tom. xx. 22.) Es gibt nur einen Weg, in der Wahrheit zu stehen; viele und verschiedene, nicht in ihr zu stehen. Einige versuchen, in der Wahrheit zu stehen, aber ihre Füße zittern und wanken so, dass sie es nicht können. Andere sind nicht so weit gekommen, sondern sind in Gefahr, wie wir in den Psalmen lesen: Meine Füße wären fast ausgeglitten: (Ps 72) andere fallen von ihr ab. Weil die Wahrheit nicht in ihm ist, ist der Grund, warum der Teufel nicht in der Wahrheit stand. Er bildete sich Eitles ein und täuschte sich selbst; worin er so weit schlimmer war als andere, dass, während andere von ihm getäuscht werden, er der Urheber seiner eigenen Täuschung war. Doch weiter: Bedeutet die Wahrheit ist nicht in ihm, dass er keine wahre Lehre festhält und dass alles, was er denkt, falsch ist; oder dass er nicht ein Glied Christi ist, der sagt: Ich bin die Wahrheit? (c. 14,6) Nun ist es unmöglich, dass irgendein vernünftiges Wesen in jedem Gegenstand falsch denkt und niemals auch nur im Geringsten in seiner Meinung richtig ist. Der Teufel kann also eine wahre Lehre festhalten, allein durch das Gesetz seiner vernünftigen Natur; und daher ist seine Natur nicht der Wahrheit entgegengesetzt, d. h. sie besteht nicht aus bloßem Irrtum und Unwissenheit; sonst hätte er die Wahrheit niemals erkennen können.