
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 8
44 Ihr habt den Teufel zum Vater und wollt die Begierden eueres Vaters erfüllen. Er war ein Menschenmörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er lügt, dann redet er aus seinem eigensten Wissen, weil er ein Lügner ist und der Vater der Lüge. 45 Weil ich aber die Wahrheit sage, glaubt ihr mir nicht. 46 Wer von euch kann mich einer Sünde überführen? Wenn ich die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht? 47 Wer aus Gott ist, hört die Worte Gottes. Ihr hört sie deshalb nicht, weil ihr nicht aus Gott seid.
(xi. de Civ. Dei, c. 13) Es könnte jedoch eingewandt werden, dass, wenn der Teufel von Anfang seines Daseins an nicht in der Wahrheit stand, er niemals in einem Zustand der Seligkeit mit den heiligen Engeln war, da er sich weigerte, seinem Schöpfer untertan zu sein, und daher falsch und trügerisch war; er wollte nicht um den Preis frommer Unterwerfung das festhalten, was er von Natur aus war; und er versuchte in seinem Stolz und Hochmut das vorzutäuschen, was er nicht war. Diese Ansicht ist nicht dieselbe wie die der Manichäer, dass der Teufel seine eigene besondere Natur habe, gleichsam abgeleitet vom entgegengesetzten Prinzip des Bösen. Diese törichte Sekte sieht nicht, dass unser Herr nicht sagt: Er war der Wahrheit fremd, sondern: Er stand nicht in der Wahrheit, was bedeutet: er fiel von der Wahrheit ab. Und so deuten sie Johannes: Der Teufel sündigt von Anfang an, (1 Joh 3,8) und sehen nicht, dass, wenn die Sünde natürlich wäre, sie keine Sünde wäre. Aber was antworten die Zeugnisse der Propheten? Jesaja, der den Teufel unter dem Bild des Fürsten von Babylon darstellt, sagt: Wie bist du vom Himmel gefallen, o Lucifer, Sohn des Morgenrots! (Ez 28,13) Ezechiel sagt: Du bist in Eden gewesen, im Garten Gottes. Diese Stellen, die nicht anders gedeutet werden können, zeigen, dass wir das Wort: Er stand nicht in der Wahrheit, so verstehen müssen, dass er in der Wahrheit war, aber nicht in ihr blieb; und das andere: Der Teufel sündigt von Anfang an, so, dass er ein Sünder nicht vom Anfang seiner Erschaffung an war, sondern vom Anfang der Sünde. Denn die Sünde begann in ihm, und er war der Anfang der Sünde.