
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 8
28 Da sagte Jesus: Wenn ihr den Menschensohn erhöht habt, dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin und dass ich nichts aus eigener Machtvollkommenheit tue, sondern so rede, wie mich der Vater gelehrt hat. 29 Und der, der mich gesandt hat, ist bei mir. Er hat mich nicht allein gelassen, weil ich allezeit das tue, was ihm gefällt. 30 Als er das sagte, kamen viele zum Glauben an ihn.
(Tr. xl. s. 3. et seq.) Oder so: Nachdem Er gesagt hatte: Dann werdet ihr erkennen, dass Ich bin, und in diesem: Ich bin, die ganze Dreifaltigkeit angedeutet war: damit nicht der sabellianische Irrtum sich einschleiche, fügt Er sogleich hinzu: Und Ich tue nichts von Mir aus; als wollte Er sagen: Ich bin nicht von Mir aus; der Sohn ist Gott vom Vater. Was folgt: Wie der Vater Mich gelehrt hat, so rede Ich diese Dinge, soll bei keinem von euch einen fleischlichen Gedanken hervorrufen. Stellt euch nicht gleichsam zwei Menschen vor Augen, einen Vater, der zu seinem Sohn spricht, wie ihr es tut, wenn ihr zu euren Söhnen sprecht. Denn welche Worte könnten zum einzigen Wort gesprochen werden? Wenn der Vater in euren Herzen ohne Laut spricht, wie spricht Er zum Sohn? Der Vater spricht zum Sohn unkörperlich, weil Er den Sohn unkörperlich gezeugt hat; noch lehrte Er Ihn, als hätte Er Ihn ungelehrt gezeugt; vielmehr war das Lehren das Zeugen als Wissenden. Denn wenn die Natur der Wahrheit einfach ist, ist im Sohn Sein dasselbe wie Wissen. Wie also der Vater dem Sohn durch Zeugen das Dasein gab, so gab Er ihm auch das Wissen.