
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 8
25 Da fragten sie ihn: Wer bist du denn? Jesus antwortete ihnen: Wozu rede ich überhaupt noch mit euch? 26 Vieles hätte ich in Bezug auf euch zu reden und zu richten. Aber er, der mich gesandt hat, ist wahrhaftig und was ich von ihm gehört habe, das rede ich zur Welt. 27 Sie verstanden nicht, dass er zu ihnen vom Vater redete.
(Tract. xxxviii. s. 11) Nachdem unser Herr gesagt hatte: Wenn ihr nicht glaubt, dass Ich bin, werdet ihr in euren Sünden sterben; fragten sie Ihn, als ob sie wissen wollten, an wen sie glauben sollen, damit sie nicht in ihrer Sünde sterben: Da sagten sie zu Ihm: Wer bist Du? Denn als Du sagtest: Wenn ihr nicht glaubt, dass Ich bin, hast Du nicht hinzugefügt, wer Du bist. Aber unser Herr wusste, dass unter diesen einige waren, die glauben würden, und daher sagte Jesus, nachdem Er gefragt worden war: Wer bist Du?, damit solche wissen könnten, was sie von Ihm glauben sollten: Den Anfang, der ich auch zu euch rede; nicht als wollte Er sagen: Ich bin der Anfang, sondern: Glaube Mir, dass Ich der Anfang bin; wie aus dem Griechischen ersichtlich ist, wo „Anfang“ weiblich ist. Glaube Mir also, dass Ich der Anfang bin, sonst sterbt ihr in euren Sünden; denn der Anfang kann nicht verändert werden; er bleibt in sich selbst fest und ist die Quelle der Veränderung für alle Dinge. (Tract. xxxix. 1, 2). Es ist aber absurd, den Sohn den Anfang zu nennen und nicht auch den Vater. Und doch gibt es nicht zwei Anfänge, so wie es auch nicht zwei Götter gibt. Der Heilige Geist ist der Geist des Vaters und des Sohnes; weder der Vater noch der Sohn. Doch Vater, Sohn und Heiliger Geist sind ein Gott, ein Licht, ein Anfang. (Tract. xxxviii. 11). Er fügt hinzu: Der ich auch zu euch rede, d. h. der Ich Mich um euretwillen erniedrigt und zu diesen Worten herabgelassen habe. Darum glaube Mir, dass Ich der Anfang bin; denn damit ihr dies glaubt, bin Ich nicht nur der Anfang, sondern Ich rede auch mit euch, damit ihr glaubt, dass Ich bin. Denn wenn der Anfang beim Vater in Seiner ursprünglichen Natur geblieben wäre und nicht die Gestalt eines Knechtes angenommen hätte, wie hätten die Menschen an Ihn glauben können? Hätten ihre schwachen Geister das geistige Wort ohne das Medium des sinnlichen Lautes aufnehmen können?