
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 7
37 Am letzten, dem großen Tag des Festes, stellte sich Jesus hin und rief: Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, 38 wer an mich glaubt; wie die Schrift sagt: Ströme lebendigen Wassers werden aus seinem Inneren fließen. 39 Das sagte er von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glauben. Denn der Geist war noch nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht war.
Wenn nun der Heilige Geist jetzt empfangen wird, warum spricht dann niemand die Zungen aller Völker? Weil jetzt die Kirche selbst die Zungen aller Völker spricht. Wer nicht in ihr ist, empfängt auch jetzt nicht den Heiligen Geist. Aber wenn du nur die Einheit liebst, so hat, wer etwas in ihr hat, es für dich. Lege den Neid ab, und was ich habe, ist dein. Neid trennt, Liebe vereint: habe sie, und du hast alles; ohne sie aber wird nichts, was du haben kannst, dir nützen. Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. (Röm 5:9) Aber warum gab unser Herr den Heiligen Geist nach Seiner Auferstehung? Damit die Flamme der Liebe zu unserer eigenen Auferstehung emporsteige: uns von der Welt trennend und uns ganz Gott weihend. Er, der sagte: Wer an Mich glaubt, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen, hat das ewige Leben verheißen, frei von aller Furcht, Veränderung und Tod. Da dies also die Gaben sind, die Er denen verhieß, in denen der Heilige Geist die Flamme der Liebe entzündete, wollte Er jenen Geist nicht geben, bis Er verherrlicht war: damit Er in Seiner eigenen Person uns jenes Leben zeige, das wir in der Auferstehung zu erlangen hoffen.